Pater Edmund Pontiller OSB. Ein Osttiroler Glaubenszeuge im Nationalsozialismus

Edmund PontillerDas Buch „Pater Edmund Pontiller OSB. Ein Osttiroler Glaubenszeuge im Nationalsozialismus“ will das Leben und Sterben dieses Märtyrerpriesters dokumentieren. Die Intention des Autors beschränkt sich nicht auf eine reine biographische Darstellung. Es werden die vernetzten Strukturen aufgezeigt, die verantwortlich dafür waren, dass ein schlichter Benediktinerpater zum „Todfeind“ des NS-Regimes werden konnte. Mit vielen anderen Schicksalsgefährten hatte er das menschenverachtende System durchschaut. Für ihn ist der „Führer“ Adolf Hitler der leibhaftige „Antichrist“, der beabsichtigt, die Menschheit in einen apokalyptischen Abgrund zu führen. Als Priester fühlt sich P. Edmund so sehr der Nachfolge von Jesus Christus verpflichtet, dass er es riskiert, Christus, seinem wahren Führer, kompromisslos bis zum gewaltsamen Tod unter dem Fallbeil der Guillotine zu folgen. Er ist dabei getragen von seinem Glauben und von der Hoffnung, durch seinen Tod den „Antichrist“ besiegen zu können und mit Christus zum ewigen Leben erweckt zu werden.

         Josef Pontiller wird am 4. November 1889 in Dölsach in Osttirol geboren. Er besucht die Oblatenschule der Kinderfreund-Benediktiner in Volders/Nordtirol. In deren Priorat am Martinsbühel/Zirl wird er um 1912 mit dem Ordensnamen Edmund als Novize eingekleidet und am 30. Juli 1916 in Salzburg zum Priester geweiht. Zu dieser Zeit ist er durch eine latente Lupus-Erkrankung gesundheitlich beeinträchtig. Er ist vorerst als Seelsorger und Pädagoge in Innsbruck tätig, bis sich die dortigen Kinderfreund-Benediktiner auflösen und zum Teil in die niederbayerische Benediktinerabtei Niederaltaich übertreten. Dort wirkt er als Erzieher am Studienseminar St. Godehard und als Pfarrer von Niederalteich (1930-1932).[1]

         Unmittelbar nach der Machtübernahme Hitlers in Deutschland im Jahre 1933 gerät P. Edmund Pontiller mit der Gestapo in Konflikt. Er kommt nach Kirchschletten im Bistum Bamberg. Um 1936 wird er durch einen Exekutivbeamten vor der drohenden Verhaftung bewahrt, kann fliehen und findet als Konventgast („Hospes“) im Benediktinerstift Lambach/OÖ gastliche Aufnahme. Genau dort war einst der von ihm verabscheute „Antichrist“ Adolf Hitler Volksschüler und Sängerknabe. Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 gerät P. Edmund neuerlich ins Visier der Gestapo. Weil ihm die neutrale Schweiz keine Einreise gewährte, emigriert er nach Ungarn in ein vermeintlich sicheres Asylland. Zuerst findet er als „Pater Ödön“ in der Erzabtei Pannonhalma und auf Schloss Oroszvár bei Prinzessin Stefanie von Belgien (Witwe nach Kronprinz Rudolph) Aufnahme, bevor ihn im Jahre 1940 der katholisch-jüdische Baron Biedermann im Schloss Szentegát aufnimmt. Dort ist er Hausgeistlicher und Hauslehrer von Georg Zimmermann-Meinzingen, dem Neffen des Barons.

         Im April 1944 wird P. Edmund Pontiller nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Ungarn bei der ungarnweiten Juden-Razzia gekidnappt und am 20. Mai 1944 von Pécs (Fünfkirchen) an das Landgericht Wien überstellt. Besagter Neffe, der heute in Wien lebende Dr. iur. utr. Georg Zimmermann-Meinzingen ist damals als Dreizehnjähriger unmittelbarer Augenzeuge der gewaltsamen Festnahme. Laut Anklage wird P. Edmund vor dem Volksgerichtshof des Rundfunkverbrechens, der Wehrkraftzersetzung und der Feindbegünstigung beschuldigt. Als Hauptindiz dient ein abgefangener Weihnachtsbrief, den er im Jahre 1942 an den Erzabt von Pannonhalma geschrieben hatte. Darin verurteilt er unter anderem die Euthanasie- und KZ-Morde und bezeichnet Hitler wegen seiner Christenverfolgung als „Nero auf deutschem Thron“. Bei der Hauptverhandlung am 15. Dezember 1944 in Salzburg verhängt der Präsident des Volksgerichtshofes, der berüchtigte NS-Blutrichter Dr. Roland Freisler, persönlich das Todesurteil. Im Schlussplädoyer brüllt er den Verurteilten hysterisch an: „Sie müssen sterben, damit das deutsche Volk leben kann!“ Bis zur Hinrichtung sitzt P. Edmund Pontiller gefesselt in der Todeszelle in Salzburg und wird am 9. Februar 1945 in München-Stadelheim durch das „Gerät F“ (Code für das Henkerbeil) hingerichtet.

         Die Gebeine des Märtyrerpriesters werden zwei Jahrzehnte später in der Mönchs-Krypta der Abtei Niederaltaich beigesetzt. Ein Teil seiner Reliquien kommt schließlich auch in seine Heimatpfarre Dölsach, wo sie in der kleinen Gruftkapelle („Grüftl“) der Pfarrkirche zum hl. Martin eine würdige Ruhestätte finden. Im Rahmen einer Feier zum „Magyar Millenium 2000“ wird in Szentegát ein Denkmal zu Ehren von P. Ödön Pontiller enthüllt. Auch am Befreiungsdenkmal in Innsbruck ist sein Name als Opfer des Nationalsozialismus eingetragen. Zu seinen Andachtsstätten pilgern die Menschen, für die der Märtyrer-Priester ein „Heiliger bei Gott“ ist, den sie in ihren Nöten und Sorgen als „Fürsprecher im Himmel“ anrufen. Nach der Hinrichtung wurde dem Kloster Niederaltaich seine Taschenuhr übersandt. Daran hängt ein kleines Metallkreuz, auf welchem sein Lebensmotto eingraviert ist:

„Christo confixus sum cruci – Mit Christus bin ich ans Kreuz genagelt.“

[1] Abtei = Niederaltaich  / Gemeinde und Pfarre = Niederalteich.

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