„Nero auf deutschem Thron“ – Für das NS-Opfer war Hitler war der Antichrist

Bischof Dr. manfred Scheuer und Autor Johann Großruck Der Timelkamer Kirchenhistoriker und Theologe Johann Großruck präsentierte in Dölsach/Osttirol seine jüngste zeitgeschichtliche Dokumentation über den Osttiroler Blutzeugen des Nationalsozialismus, den Benediktinerpater Edmund Pontiller (1889-1945). Derselbe war unter anderem von 1936 bis 1938 auf der Flucht vor Hitlerdeutschland als Gastmönch im Stift Lambach und hatte mit vielen anderen Schicksalsgefährten das menschenverachtende NS-System durchschaut. Für ihn war Hitler der leibhaftige „Antichrist“, der beabsichtigt, die Menschheit in einen apokalyptischen Abgrund zu führen. Pontiller nahm sich kein Blatt vor den Mund, nannte die ihm bekanntgewordenen Gräueltaten ungeschminkt beim Namen und riskierte dadurch im buchstäblichen Sinn seinen Kopf: Er wurde vom „Blutrichter“ Freisler, dem Präsidenten des Volksgerichtshofes persönlich am 15. Dezember 1944 in Salzburg zum Tode verurteilt und am 9. Februar 1945 in München-Stadelheim mit dem „Gerät F“ (= „Mobile Fallschwertmaschine“) geköpft.

Ehrenwache beim Sarkophag von P. Edmund Pontiller Genau zum 70 Jahr-Gedenken an die Hinrichtung ist vom Innsbrucker Universitätsverlag Wagner das 320 Seiten starke Buch des Timelkamers unter dem Titel erschienen: „Pater Edmund Pontiller OSB. Ein Osttiroler Glaubenszeuge im Nationalsozialismus“. Darin beschränkt sich Großruck nicht auf eine rein biographische Darstellung. Es werden die vernetzten Strukturen aufgezeigt, die verantwortlich dafür waren, dass ein schlichter Benediktinerpater zum „Todfeind“ des NS-Regimes werden konnte. Allzu deutlich hat er das KZ-Grauen und die Gasmorde ausgesprochen und den „Antichrist“ Hitler als „Nero auf deutschem Thron“ bezeichnet. Pontillers persönliche Resistenz hatte Richter Freisler derart in Rage gebracht, dass er das Todesurteil brüllend mit dem Satz quittierte: „Sie müssen sterben, damit das deutsche Volk leben kann!“

Bischof Manfred Scheuer beim Gedenkgottesdienst für P. Edmund PontillerAuf die Initiative von Großruck hat der Innsbrucker Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer den Sonntagsgottesdienst zum 70-Jahr-Gedenken in Dölsach gefeiert. Großruck leitet auch seit 33 Jahren bis heute alle Übertragungen der ORF-Radio-Gottesdienste aus Oberösterreich und so wurde dank seiner Anregung auch dieser Gottesdienst in allen ORF-Regionalradios übertragen. Der aus Haibach in OÖ stammende Bischof Manfred Scheuer erinnerte in seiner Predigt an den Wahlspruch von P. Edmund: „Christo confixus sum cruci“ – „Mit Christus bin
ich ans Kreuz genagelt“ und sagte: „Pontiller starb nicht nur für eine bloße Idee, sondern mit Christus und wird so zum Zeugen für das Heilige trotz des Bösen“.

Marmorsarkophag mit den Gebeinen von P. Edmund wird ins Grüftl getragenBesonders freut sich Großruck auch darüber, dass ein Teil der sterblichen Überreste des Hingerichteten in einem würdigen Gedenkraum („Grüftl“) unter der Dölsacher Pfarrkirche die letzte Ruhe gefunden haben und dass zu diesem Anlass auch an zwei weitere Dölsacher NS-Opfer gedacht wurde: Maria Peskoller, die als kommunistische Widerstandskämpferin geköpft worden ist und der polnische Zwangsarbeiter Marian Binczyk, der wegen „Rassenschande“ direkt in Dölsach gehenkt wurde. Im überfüllten Gemeindesaal präsentierte Großruck nach der pfarrlichen Feier sein Gedenkbuch mit einem beeindruckenden Power-Point-Vortrag. Mit dieser Arbeit wollte der Autor auch seine ganz persönliche Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, dass er als Geburtsjahrgang 1945 nunmehr 70 Jahre lang in Frieden und Freiheit leben durfte.

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